80 Jahre Katholiscfhe Frauenbewegung Erzdiözese Wien – ein Grund, um zu feiern, um dankbar zurück- und zuversichtlich nach vorne zu schauen. „Mit Dank und Hoffnung als Pilgerinnen unterwegs!“
Über das Zurück- und nach Vorneschauen geht es auch in der Lesung des heutigen Tages. „Wer von euch hat den früheren Tempel in all seiner Pracht gesehen? Und wie seht ihr ihn jetzt? Erscheint er euch nicht wie ein Nichts?“, fragt der Prophet Haggai verzweifelt, denn er merkt, dass der Wiederaufbau des zerstörten Tempels von Jerusalem nur schleppend vorangeht. Die Menschen erinnern sich an früher, an die Pracht des alten Tempels und sagen: Was wir da jetzt aufbauen – das ist doch nichts im Vergleich zu früher. Hören wir auf, es hat keinen Sinn.
Ist das nicht der Situation sehr ähnlich, in der sich unsere Kirche befindet? Die Aufbruchstimmung nach dem 2. Vatikanischen Konzil ist verflogen. Ja, der alte österreichische Kirchen-Tempel war groß, prunkvoll und gewaltig. Doch jetzt: Wie wird die Kirche der Zukunft ausschauen? Sagen wir vielleicht auch wie die Menschen zur Zeit des Propheten Haggai „Das erscheint uns wie ein Nichts?“
Das heutige Fest will Mut machen und gegen Resignation ankämpfen. Auch wenn ich weiß, dass unsere Kirche vor großen Herausforderungen steht, dass es in der kfb, die ja eine große und lebendige Gliederung der katholischen Aktion ist, Nachwuchssorgen gibt, weil es schwieriger wird, junge Frauen zu finden, die mittun und sich engagieren.
Ich schließe mich den Worten des Propheten Haggai an: Fürchtet euch nicht! Habt Mut! Gott bleibt bei euch! Und ihr werdet sehen: der Tempel, den wir jetzt gemeinsam bauen, er wird den Vorgängerbau übertreffen und noch schöner sein!
Mit Dank und Hoffnung pilgernd unterwegs!
3 Gründe für Hoffnung und Dankbarkeit, drei konkrete Namen möchte ich nennen:
Im Jahr 1945 kurz nach Kriegsende wurde die kfb-Wien als Gliederung der Katholischen Aktion gegründet. Im Jahr 1945 kurz vor Kriegsende gab es aber in Wien noch ein anderes denkwürdiges Ereignis: das Dach des Stephansdoms fing Feuer und der mittelalterliche hölzerne Dachstuhl brannte ab. Als dann im vorderen Teil des Doms das Gewölbe eingestürzt war, konnte sich das Feuer auch im Innenraum ausbreiten und verheerende Schäden anrichten.
Der Wiederaufbau des Stephansdoms hat mit „Frauenpower“ zu tun: Helene Buchwieser, eine Wiener Architektin, übernahm in den ersten Monaten nach der Brandkatastrophe die verantwortungsvolle Leitung der Aufräumungs-arbeiten auf der Großbaustelle.
So wie 1945 die Architektin Helene Buchwieser sind es bis heute vor allem Frauen, die Kirche bauen, die Kirche aus lebendigen Steinen. Das Leben der Kirche wird mehrheitlich von Frauen getragen. Was wären unsere Pfarren ohne euch! Danke für ihr vielfältiges, großes Engagement!
Dass Frauen jedoch gar nicht oder nur als Minderheit in kirchlichen Entscheidungsgremien und Leitungsfunktionen vorkommen, wurde bei der Weltsynode immer wieder thematisiert. Hier gibt es einen dringenden Handlungsbedarf. Die Frauenfrage drängt.
Ein 2. Name aus der Geschichte der kfb, der Grund zur Hoffnung und zur Dankbarkeit gibt: Herta Pammer. Die Wienerin wurde 1957 zur Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs gewählt. Unter ihrer Führung trat die Katholische Frauenbewegung Österreich 1971 zum Weltgebetstag der Frauen bei. Der Weltgebetstag der Frauen ist die älteste ökumenische Laienbewegung, die heute in etwa 180 Ländern verbreitet ist.
Auf das entwicklungspolitische Engagement von Herta Pammer geht auch der Familienfasttag zurück. Unter dem Motto „teilen.spendet.zukunft“ ist diese Aktion bis heute ein Vorzeigeprojekt der kfb, das aus dem Leben vieler Pfarrgemeinden nicht mehr wegzudenken ist.
Mit Herta Pammer war es wieder eine Frau, die auf wichtige Bausteine der Kirche hingewiesen hat: auf die Ökumene, auf den Einsatz für weltweite Solidarität und Gerechtigkeit. Das Projekt Familienfasttag hat dazu beigetragen, dass die kfb immer mehr zu einer solidarischen weltweit vernetzten Organisation geworden ist. Aus den heute zentralen gesellschaftspolitischen Themen der kfb greife ich noch die Bereiche Ökologie, Bildungsarbeit und Geschlechtergerechtigkeit heraus.
Wieviel wurde durch den Einsatz und durch Projekte der kfb bewirkt, verändert und an Hilfe ermöglicht! Danke für ihr Engagement!
Helene Buchwieser, Herta Pammer und noch ein dritter Name, der Hoffnung schenkt und Mut macht: Jesus Christus!
Auf die Frage Jesu: Für wen haltet ihr mich? – antwortet Petrus als Sprecher der Gruppe: Für den Messias, für den Christus Gottes. Der Name Jesus Christus macht Mut. Der Blick auf Jesus und das Evangelium zeigt klar: Jesus ist Frauen auf revolutionäre Weise begegnet und hat mit seinem Verhalten die patriarchalen Normen seiner Zeit in Frage gestellt. Er berührt und heilt Frauen und lässt sich von Frauen berühren, die nach jüdischem Gesetz als unrein galten. Er spricht mit Frauen in der Öffentlichkeit und bezieht sie in seinen Schülerkreis ein – alles Verhaltensweisen, die für die damalige Zeit mehr als auffällig waren.
Und vor allem: Frauen waren am Ostermorgen die ersten Zeuginnen der Auferstehung. Frauen spielten in den frühen christlichen Gemeinden eine zentrale Rolle. Spätere kirchliche Strukturen haben Frauen zunehmend an den Rand gedrängt. Eine Neuorientierung an der Praxis Jesu kann uns in der Frauenfrage weiterhelfen.
Darum möchte ich zur Jesus-Frage aus dem Evangelium „Für wen haltet ihr mich?“ noch einige andere Fragen dazustellen. Denn ich habe den Eindruck, dass Jesus seine Kirche heute auch fragt: Kirche, siehst du die Frauen? Wie gehst du mit ihnen um? Haben sie den Platz, der ihnen zusteht?
Ich schließe mit einem Text von Andreas Knapp. Er stellt Fragen, die sich aus dem Verhalten Jesu und aus dem Evangelium ergeben, Fragen, denen wir nicht ausweichen sollten. Drei der „frauenfragen“ von Andreas Knapp möchte ich nennen:
wenn eine frau das ewige WORT Gottes geboren hat
warum sollten frauen dann das wort nicht von der kanzel künden
wenn eine frau die füße Jesu küsste,
warum sollten frauen dann den altar nicht küssen können
wenn eine frau den jüngern als apostelin vorausging
warum sollten frauen dann nicht auch zur apostelnachfolge gerufen sein